Würzburg, Schmalzmarkt 5

Inspirationen

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Maxis Plauderei: Alles Paletti!

Maxi Graf

ist seit vielen Jahren in der Wäsche-Branche aktiv tätig und
beleuchtet in der Kolumne des Sous-Magazins derzeitige Entwicklungen.

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Von wegen. Nichts ist in Ordnung: Wöhrl meldet Konkurs an und 34 Filialen in Bayern straucheln. Noch heißt es, nicht alle würden geschlossen. Man verhandelt, wohl insbesondere mit den Lieferanten und den Banken. Die beiden Brüder verhandeln schon nicht mehr miteinander. Sie sind sich jedoch darin einig, dass sie kein Geld in die Firma buttern. Bei C&A funktioniert es auch nicht so wie es soll. Doch für die Familie Brenninkmeyer ist klar, sie muss investieren und zwar eigenes Geld. Dass Zara wenig Steuern in Deutschland zahlt, entlockt uns nur ein müdes Lächeln. Mir allerdings vergeht das Lachen gänzlich, wenn ich ans Weihnachtsgeschäft denke, es hat wohl einfach nicht stattgefunden. Dennoch behaupten alle mit dem Handel beschäftigten Funktionäre und unsere wirtschaftlich gar so profunden Politiker, der Dezember ist der umsatzstärkste Monat des Jahres. Da wird dann landesweit mit viel Proporz auch noch der Black Friday aus Amerika übernommen. Beim Kaufhof wurden es vier Tage, bei anderen sogar eine ganze Woche. Die Preise sanken gleich zu Beginn des Advents um 20, 30 mancherorts auch um 50 Prozent. Hätte man mich nicht mühsam erzogen, mein Temperament zu zügeln, ich könnte ausrasten: Ja, so machen wir dem Kunden endlich klar, dass das, was wir anzubieten haben, nichts, nullkommanichts wert ist.

In den Innenstädten schoben sich Menschenmassen durch die Weihnachtsmärkte, lehnten mit Glühwein-Gläsern in ganzen Trauben vor den Schaufenstern, genossen den Lichterglanz, den Kerzenduft, die weihnachtliche Atmosphäre. Wer es nicht merkt, ich meine das zynisch, denn bei dem Geschiebe und Gedränge war von Stimmung nix Maxi Graf ist seit vielen Jahren in der Wäsche-Branche und schreibt in dieser Kolumne über ihre Erfahrungen. ALLES PALETTI zu spüren. Es wurde gegessen, getrunken und gebummelt: Das heißt dann heute sich mit Freunden treffen, entspannen, dem Weihnachtskommerz entfliehen.

Wieder zum Thema: Ich bin am 5. und 6. Dezember in Berlin durch mehrere Wäschefachgeschäfte gegangen, mit aufmerksamem Blick und interessiert. Alle waren gut bis sehr gut. Das Sortiment fein nuanciert abgestimmt auf die unterschiedlichen Zielgruppen. Die Ware wunderbar präsentiert, überschaubar, anregend, aufgeräumt. Es war überall picobello sauber, hell und die angenehme Atmosphäre tat mir gut. Die Verkäuferinnen allesamt offen, überaus freundlich und kompetent. Es fehlte nichts. Doch! Die Kunden. Da waren keine. Erschreckend.

Was können, was sollen wir noch tun? Wir bieten alle ein professionell ausgewähltes Sortiment. Wir bieten Markenware und beste Qualität. Wir bieten Service. Wir kümmern uns, hören zu, erfüllen auch ausgefallene Wünsche, gehen auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein. Wir pflegen und schulen unsere Mitarbeiter. Wir verpacken die Geschenke. Senden die Ware, auch mit Rechnung, zu. Änderungen macht mit großer Sorgfalt unsere Schneiderin, größtenteils kostenlos. Was müssen wir noch tun, damit die Kunden kommen und kaufen?

Dass die Innenstädte unter Frequenzproblemen leiden, ist seit Längerem bekannt. Keine Sorge, den Outlets und Einkaufsmärkten außerhalb der Zentren geht’s auch nicht besser als uns Fachhändlern in der Innenstadt. Der Kunde ist verwöhnt, er bekommt überall alles und das zu jeder Zeit. Ich gehe jetzt nicht aufs Internet ein. Das ist ein Weg der Zukunft und wenn wir wieder lächeln wollen, insbesondere, wenn Kunden kommen, dann müssen wir auch mit dem Internet umgehen, es für uns nutzen. Aber wir müssen uns vor allem absetzen von Ramsch und Niveaulosigkeit. Wir müssen unsere Stärken pflegen, zeigen, was wir leisten, und mit Stolz unsere Ware anbieten und verkaufen zu einem Preis, bei dem der Kunde weiß, der ist kalkuliert, der spiegelt den Wert der Ware. Wir sind selbst schuld, wenn der Kunde meint, unsere Ware und auch alle Extras, die wir bieten, seien nichts wert. Denn er sieht ja auf den roten Schildern in den Schaufenstern: Wir können immer noch 20, 30 manchmal auch 50 Prozent im Preis nachgeben. Wir müssen das Vertrauen der Kunden wieder gewinnen, durch Stärke. Es gilt immer noch: Jede Reduzierung ist ein Zeichen von Schwäche. Und Stärke, vielleicht besser gesagt Standhaftigkeit, braucht es auch der Presse, den Funktionären und den Kommunalpolitikern gegenüber. Wir müssen zeigen, wir sind nicht nur das nette Beiwerk einer attraktiven Innenstadt. Wir sind ein enormer Standortfaktor und wenn weiterhin dazu motiviert wird, Konsum zu verweigern, die Innenstädte durch wilden Aktionismus mit wogenden Menschenmassen gefüllt werden und man dann auch noch durch Funk und Printmedien verbreitet, das seien gelungene Aktionen, müssen wir aufstehen und klar Stellung beziehen und das möglichst bundesweit und möglichst alle gemeinsam. Wenn der örtliche Handel stirbt, sterben unsere Städte. Und so schließt sich der Kreis: Frau Dagmar Wöhrl war für die CSU im Bundestag. Sie hat, soweit ich weiß, immer gelächelt, gehört hab ich sie nicht.